Mandy allein in China

 

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     Abenteuer im autonomen Tibet





Shanghai-Marathon (26.11.2005)



Es kann losgehen!

Bevor wir in das Flugzeug gestiegen sind wollten wir unsere Verfassung vor dem Lauf noch mal bildlich festhalten lassen. Hier sind wir frisch und munter:



Es war der 25.11.05 und irgendwie sind wir noch etwas müde und können es gar nicht fassen, dass wir am nächsten Tag mit all den anderen 14.500 Chinesen und 500 ?Westlern? mitlaufen werden. Heike, die vierte im Bunde, hat einen Flieger früher genommen und ist somit nicht mit auf dem Bild.
Der Flug war entspannend und selbst bei 1,5 Stunden Flug bekommt man etwas zu Essen. Das ist Service!





Nach 1,5 Stunden sind wir dann gut auf dem Flughafen in Shanghai gelandet. Da ich schon vor ein paar Wochen in Shanghai war konnte ich mich mit dem Taxisystem (siehe Shanghai Exkursion Teil 1) bereits ein wenig ?anfreunden?. Diesmal haben wir 30 min umsonst in der langen Warteschlange gestanden. Der Taxifahrer wusste angeblich nicht, nachdem wir ihn unsere Adresse gegeben haben, wo sich die Straße genau befindet. Und dann wollte er auf einmal nicht mehr lesen können. Im Endeffekt hatte er bloß keine Lust gehabt uns dahin zu fahren. Und auch die Wärter bei den Taxireihen konnten uns nicht weiterhelfen. Keiner von den vielen Chinesen konnte auf einmal kein Englisch mehr. Da standen wir nun da ganz hilflos auf der Straße. Zum Glück kam dann nach 20 min doch noch ein Taxi das uns zu unserer Adresse gefahren hat. Beim Einsteigen ist es wichtig den Taxifahrer immer erst zu fragen, ob ihn die Straße etc. bekannt sei. Und auch diesmal (wie so oft auch in Qingdao) hat der Fahrer mit voller Überzeugung unsere Straße gekannt. Doch das Ende vom Lied war, dass wir auf einer Juwelen-Expo gelandet sind und nicht im Shanghai-Marathon-Office. Das ist so eine typische Situation in China, der ich schon sehr oft begegnet bin. Ich bin mir nicht sicher, ob das schon Parallelen zu dem Thema ?Gesicht verlieren? hat. Obwohl er zu Beginn nicht wusste, wo sich die Straße genau befindet hat er uns trotzdem einsteigen lassen, um evtl. sein Gesicht nicht zu verlieren.
Zum Schluss sind wir dann nach 2,5 Stunden doch noch an unser Ziel angekommen und haben unsere Startnummern für den Lauf abholen können.



Das ist das nötige Equipment für den Marathon. Es gab sogar Herztabletten. Da es bekannt ist, dass der drittgrößte Schwarzmarkt Arzneimittel betrifft habe ich die eher ignoriert.

Als kleine Stärkung für den Marathon sind wir noch mal Pasta essen gegangen. Das Bier sollte uns verhelfen im Hotel schneller einzuschlafen, da wir recht früh wieder aufstehen mussten.


Zumindest schauen wir (Shorty, Frank, Heike und ich) noch glücklich drein.

Am nächsten Morgen hat unser Wecker bereits 4:30 Uhr geklingelt. Warum? Weil sich alle Läufer bei den Start schon 6:30 sammeln sollten. Und vorher mussten wir noch ein wenig frühstücken, um nicht mit einem leeren Magen zu starten.
Als wir dann bei dem Sammelpunkt ankamen konnte man auch schon ein riesiges Gewusel beobachten. Überall liefen aufgeregte ältere Chinesen umher. Ca. 60% der Läufer gehörten der Altersklasse 50 Jahre und aufwärts an. Und die sahen zum Teil athletischer aus, als man selbst. Das war dann schon deprimierend.
Als ich meine Sachen abgeben wollte hat man sich quer gestellt. Es standen viele Busse und davor Schilder mit der Aufschrift ?Half Marathon? und ?Full Marathon?. Ich musste zum Bus für die ?Full Marathon?-Läufer. Nur wollte der Busfahrer meine Sachen nicht entgegen nehmen. Er wusste angeblich von nichts (obwohl genau vor ihm das Schild ?Full Marathon stand) und hat sich dann von mir weg gedreht. Auch das ist eine Situation wie ich sie schon oft in China erlebt habe. Dann kamen Chinesen, die auch ihre Sachen abgeben wollten und auf einmal war er dafür zuständig und hat denen ihre Sachen abgenommen. Ich bin dann auch wieder zu ihm hingegangen und habe ihn erstmal meine Meinung gesagt und meinen Beutel in seine Hände gedrückt. In China muss man hartnäckig bleiben.
Gegen 7:15 war dann die Aufstellung beim Start. Ich wurde etwas weiter vorne als meine Mitläufer platziert. Aber das hat sich dann alles wieder relativiert, als noch eine große Truppe von Koreanern sich einfach bei mir reingedrängelt hat. Und so wurde ich immer mehr nach hinten geschuppst. Ich habe mich dann auch mal umgedreht, um nach meinen Leuten zu schauen und sah nur eine Masse von laufhungrigen Chinesen, die es nicht mehr erwarten konnten los zu stürmen. Bei solch einem Anblick bekommt man schon ein wenig Panik. Da habe ich mich ganz an den rechten Rand platziert, damit die Masse erstmal an mir vorbei laufen kann, ohne mich dabei umzurennen. Vor mir, neben mir, hinter mir standen nur kleine Chinesen die aufgeregt auf der Stelle hin und her sprangen. Das Gezappel war ganz schön anstrengend mit der Zeit. Es sind sogar Chinesen barfuss gelaufen. Was man nicht alles tut, um ein wenig Ehre etc. zu bekommen.
Dann kam der Startschuss und die Masse bewegt sich langsam vorwärts. Das ist vergleichbar mit einem sich auflösenden Stau. Und bis zu der 5 km Marke rannten die Chinesen wie wild an mir vorbei. Man hätte denken können 50 m weiter gibt es Sachen im Ausverkauf. Es war echt belastend, dass ständig Chinesen von hinten geschuppst, gerempelt, angehustet und gestoßen haben. Aber ich habe mich nicht beirren lassen und bin mein Tempo weiter gelaufen. Vor der Skyline (siehe Bild) sind wir mit dem Lauf gestartet.





Nach 7 km musste sich dann plötzlich ein Chinese vor mir übergeben. Leider kam dann bei mir auch so ein Würgreiz und da waren wir schon zu zweit. Ich bin ein wenig zu empfindlich. Jedenfalls musste ich paar wertvolle Minuten aussetzen, um mich von der spontanen Strapaze zu regenerieren. Immerhin habe ich mein ganzes Frühstück (meine gesamte Energie) verloren und ich war gerade mal am Anfang der Strecke. Auf dem kommenden Foto kann man so in etwa erkennen, wo wir unter anderem lang gelaufen sind (mitten durch die Stadt von der Nanjing Lu bis zum Olympiastadium, über Hochstraßen, unter Hochstraßen hindurch etc.).



Mein Ehrgeiz war größer, als meine Kraft und so habe mich aufgerafft und bin weiter gelaufen. Plötzlich bekam ich solch einen Durst und weit und breit war kein Wasserstand zu sehen (nicht mal nach 7 km). Nach 10 km sah ich die Wasseroase und habe mir beim Vorbeilaufen einen Becher geschnappt und sofort ins Gesicht geschüttet. Nur klebte dann mein ganzes Gesicht danach. Es war also kein Wasser sondern irgendein süßes Getränk. Nach weiteren paar 100m kam ein Stand mit nassen Schwämmen. So ausgetrocknet wie ich war habe ich mir den Schwamm einfach in den Mund gesteckt, um ein paar Tropfen Flüssigkeit in meinen Körper aufnehmen zu können. Leider war das Salzwasser und ich hatte hinterher noch mehr Durst. Ich war so wütend und habe erstmal ein Weilchen vor mir hingeflucht. Entweder die Chinesen brauchen nicht so viel Flüssigkeit aufnehmen, oder die Marathonorganisation befindet sich noch im Anfangsstadium. Nach 10 km bekam ich dann richtigen Hunger. Weit und breit konnte ich keine Verpflegungsstation finden. Meinen einzigen Riegel, den ich hinten auf meinen Rücken geschnallt habe, konnte ich nicht greifen. Aus einem Hungergefühl wurde dann ein leichtes Sodbrennen.
Am Straßenrand standen alle paar 100m Chinesinnen nebeneinander. Sie hatten traditionelle Kleider an, winkten mit chinesischen Fähnchen und riefen auf Chinesisch ?Weiterlaufen? uns allen zu. Eine hatte immer so ein schällerndes Instrument und blöderweise kam es immer zum Einsatz, wenn ich an denen vorbei gelaufen bin. Da ich eh kein Freund für zu viele Geräusche auf einmal bin, war das schon eine echte Herausforderung.
Jedenfalls habe ich mich bei 15 km entschlossen nur noch den Halbmarathon zu laufen, weil ich unter den Bedingungen einfach meine Gesundheit aufs Spiel gesetzt hätte. Es gab kein Wasser ( nur solch süßes Getränk) es gab nichts zu essen und mein Hungergefühl wurde größer und größer und wir sind an laufenden Automotoren vorbeigelaufen (was nicht gerade die frischeste Luft ist). Und all das weitere 21 km auszuhalten hatte ich keine Lust. Und so musste ich mein Tempo nach den 15 km anziehen, um noch eine einigermaßen gute Zeit zu laufen. Normalerweise habe ich mir die Kraft gut eingeteilt. Ich bin 10 km in 50 min gelaufen (für meine Verhältnisse ist das ok). Irgendwie habe ich dann doch noch meine gesamte Kraft und Energie rausgeholt und bin nach 1:50 Std. ins Ziel gelaufen (68. Platz). Das Problem ist, dass man im Ziel so abrupt mit dem Laufen aufhört und mir hat mein Kopf so sehr gedreht, dass ich nicht mehr geradeaus gehen konnte. Ich konnte mich nur noch irgendwo hinsetzen. Hätte ich nicht diese unverhoffte Pause zu Beginn machen müssen, wäre ich bestimmt ganz gut ins Ziel gekommen. Aber irgendwie sollte es so kommen, wie es gekommen ist. Wenig später habe ich Heike, Shorty und Frank in der Menschenmasse wieder gefunden.
Ich muss sagen, dass ich schon sehr enttäuscht bin von all den unglücklichen Vorfällen, die mich dann vom ?Full Marathon? abgehalten haben. Aber es war eine sehr gute Erfahrung, denn dadurch habe ich die Chinesen in ihrer Art wieder ein bisschen besser kennen gelernt.

Als krönenden Abschluss (für unseren doch noch richtig guten Lauf) haben wir uns zwei riesengroße Pizzen gegönnt. Die Gesichter sagen alles. Na dann: Guten Appetit!
30.11.05 12:22
 


bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Stefan / Website (13.12.05 18:02)
Na da bin ich aber überrascht...
a) Du schreibst ein Weblog
b) Du läufst Marathon...
wow...
Wie gehts Dir denn in China und wann bist eigentlich wieder in Deutschland? Nun denn, schöne Grüße aus dem momentan kalten und verschneiten München, wäre nett mal wieder was von Dir zu hören.
Eine schöne vorweihnachtliche Zeit und Frohe Weihnachten!
Grüße
Stefan

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