Shanghai-Exkursion (03.–07.11.2005) – Teil I
Während meines Auslandssemesters ist auch eine Shanghai-Exkursion vorgesehen. Dahinter verbirgt sich, dass die Studenten internationale und chinesische Unternehmen (die in Shanghai ansässig sind) kennen lernen.
Gleichzeitig ist die Möglichkeit gegeben die Stadt zu erkunden.
Begonnen hat der Shanghaiausflug in meinem Kopf. Ich wollte unbedingt mit dem Bus (ca. 10 Stunden von Qingdao nach Shanghai) dahin fahren. Ich wäre abends um 20 Uhr los gefahren und wäre gegen 6 Uhr morgens in Shanghai angekommen. Erstens hätte ich vom Bus aus die Landschaft sehen können und zweitens hätte ich erste Erfahrungen mit einem Schlafbus machen können. Im Bus befinden sich links, in der Mitte und rechts auf zwei Stockwerken die „Bettchen“. Ich betone die „Bettchen“ so sehr, weil sie auf Chinesen und nicht auf uns Europäer zugeschnitten sind.
Nun gut, in der letzten Minute (ich hatte bereits mein Busticket gekauft gehabt, hat mich meine Dozentin von der Uni davon abgehalten mitzufahren. Sie meinte, dass es während solch einer Busfahrt zu vielen Unfällen kommt, da der Busfahrer keine Pausen (aus Zeit- und Geldgründen) macht und somit übermüdet am Steuer sitzt. Des weiteren hält dieser Bus in vielen kleinen chinesischen Dörfchen und es ist ein ständiges Kommen und Gehen. Wenn die Chinesen dann eine Europäerin mit großen Augen im Bus erblickt sind sie kaum zu bremsen.
Und somit habe ich dann noch schnell ein Flugticket gekauft, um nach Shanghai zu kommen.
Meine Reise in die große unbekannte Stadt begann am Donnerstag Nachmittag. Nach ca. einer Stunde Taxifahrt (was nicht verwunderlich ist in einer 7 Mio Einwohner Stadt) von der Uni bis zum Flughafen sind wir endlich angekommen. Als ich im Flugzeug saß habe ich mich mal ganz leicht in den Sitz fallen lassen so dass ich nur noch mit meinen Augen geradeso über meinen Vordersitz nach Vorne schauen konnte. Und damit Ihr Euch jetzt diese Situation besser vorstellen könnt, schaut Euch das folgende Foto an.

Irgendwie ist es schon witzig nur schwarze Hinterköpfe vor sich zu haben.
Nach 1,5 Stunden Flug und guter Landung standen wir endlich in der chinesischen Metropole. Immer wenn ich aus der „Flughalle“ (mir fiel kein besseres Wort ein) in die jeweilige Stadt gegangen bin kommt mir zuerst der Stadtgeruch ins Gesicht. Und jedes Mal riecht es anders. Komischerweise fühle ich mich bei den verschiedenen Gerüchen immer so heimisch.
Nach langem Suchen nach einem Taxi habe ich erst bemerkt, dass man sich dafür erstmal anstellen muss. Es stand eine riesenlange Schlange vor mir und es gab zwei verschiedene Wege, die man gehen kann (innerhalb der Taxiwarteschlangenabgrenzung).

Zum einen konnte man sich an diese Schlange anreihen, die einen längeren Weg mit dem Taxi zurücklegen wird und zum anderen gab es noch die „short distance“ Taxifahrt. Tja, nun stand ich da ganz dumm und allein und wusste vor lauter Hektik nicht so recht wo ich mich einreihen sollte. Und da habe ich für mich ganz spontan entschieden, dass ich die „long distance“ Taxifahrt nehmen werde. Falls dies eine falsche Wahl gewesen wäre hätte ich immerhin ein bisschen was von Shanghai gesehen.
Und meine Entscheidung war auch die richtige, denn die Taxifahrt bis zu meinem Hotel hat 2 Stunde gedauert. Ok, davon war eine Stunde im Staustehen.
Das Hotel ist ganz modern und für diese Ausstattung hätte man in Deutschland mindestens 40-50 € die Nacht gezahlt. In Shanghai zahlt man dafür nur 10 € die Nacht. Bei diesen Preisen macht das Reisen wenigstens noch Spaß. In den Preis inbegriffen war ein Frühstück. Aber fragt nicht nach Sonnenschein. Es gab irgendwelche Würmer die sich bewegten und noch warm waren und viele andere warme „köstliche“ chinesischen Delikatessen. Wo ich doch so ein Frühstücksnarr bin.
In der ersten Nacht bin ich erstmal auf Entdeckungstour gegangen. Und so habe ich mich ins Taxi gesetzt und bin einfach nach meinem Reiseführer (Lonelyplanet – sehr zu empfehlen) in Richtung Zentrum gefahren.
Als wir an einer Ampel standen ist mir folgendes ins Auge gefallen:

Mein Gott, wissen die Chinesen überhaupt noch, was damit alles angeschlossen ist. Das ist ein typisches Bild in China.
Leider konnte ich mir die erste Nacht nur ein Viertel in Shanghai anschauen. Und dann ist es noch das teuerste Gebiet. Aber das wusste ich erst hinterher.
Shanghai ist keine Stadt der Kultur, sonder eine Stadt der Werbung und eine Stadt der Architektur.
Shanghai kann man mit dem Rest Chinas überhaupt nicht vergleichen. Die Menschen sind westlicher gekleidet und sie haben im Durchschnitt ein höheres Einkommen.
Ich veranschauliche Euch mal das chinesische Einkommen in den verschiedenen Regionen:
Beijing, Shanghai, Shenzhen Qingdao Boshan Lanzhou Guiyang Beruf
300 RMB + Lebensmittel 150 RMB + Lebensmittel 150 RMB + Lebensmittel 100 RMB + Lebensmittel 50 RMB + Lebensmittel Bauer
1.000 RMB 700 RMB 300 RMB 300 RMB 300 RMB Industriearbeiter
3.500 RMB 2.000 RMB 1.000 RMB 500 RMB 400 RMB Sekretärin
20.000 RMB 7.000 RMB 4.000 RMB 4.000 RMB 4.000 RMB Manager
(100 RMB entsprechen ca. 10 Euro)
Ich muss aber dazu sagen, dass die Preise von Sachen etc. denen der Preise in Europa ähneln. Mir ist es noch schleierhaft, wie sich die Chinesen solche Waren leisten können.
Z.B. kostet ein Kaffee bei Starbucks so viel, wie ein ganzer Monatslohn eines Bauers. Das sind schon Dimensionen, die man gar nicht so recht begreifen kann. Um ehrlich zu sein, ist es mir auch unangenehm bei Starbucks einen Kaffee zu trinken. Denn für mich stellt der eine Kaffee nur ein Befriedigung meines Verlangens dar. Aber für einen Chinesen kann es das ein und alles sein.
Hiermit komme ich zum Ende meines ersten Teils von der Shanghai-Exkursion.